Unternehmerische Tätigkeit durch eBay-Verkäufe

Verkauf von mehr als 140 Pelzmänteln in 13 Monaten ist umsatzsteuerpflichtig

 

Wer auf Handelsplattformen, wie eBay.de, Kleinanzeigen.de oder *-scout24.de Waren anbietet, wird dies gewöhnlich privat und ohne nachhaltige Einnahmeerzielungsabsicht tun, weil er halt einfach ein paar alte Sachen loswerden möchte. Nicht wenige verdienen sich hierdurch ein paar Euros ganz nebenbei dazu. Der Übergang von der privaten Vermögensverwaltung zur unternehmerischen Tätigkeit ist dabei jedoch fließend und sollte in regelmäßigen Abständen selbstkritisch überprüft werden, wie nachfolgendes Beispiel eindrucksvoll belegt.

Ein Ehepaar veräußerte über eBay eine große Anzahl Pelzmäntel. Die Ehefrau allein verkaufte innerhalb von 13 Monaten mindestens 140 Pelzmäntel in verschiedenen Größen. Sie nutzte hierfür zwei verschiedene eBay-Accounts und verwendete zwei Bankkonten zur Zahlungsabwicklung. Die Pelze stammten auskunftsgemäß von ihrem Ehemann, der diese von seiner Mutter geerbt hatte. Die Ehefrau war von ihrem Ehemann beauftragt worden die Pelzmäntel in ihrem Namen zu verkaufen. Der Ehemann selbst hatte in dem fraglichen Zeitraum ebenfalls 79 Pelzmäntel und diverse weitere Haushaltsgegenstände verkauft.

Wirtschaftliche Tätigkeit oder private Vermögensverwaltung

Das Finanzamt nahm umsatzsteuerlich eine sogenannte wirtschaftliche Tätigkeit an und berücksichtigte die Einnahmen aus den Verkäufen der Pelzmäntel als umsatzsteuerpflichtige Umsätze.

Das Finanzgericht konnte der Auffassung des Finanzamtes nicht folgen, da es davon ausging, dass es sich bei den Verkäufen über eBay um private Verkäufe handelte. Das Finanzgericht zog dabei eine Parallele zu Münz- und Briefmarkensammlern, deren Verkäufe nach höchstrichterlicher Rechtsprechung eben nicht im Rahmen einer wirtschaftlichen Tätigkeit ausgeübt werden.

Verkauf von Gegenständen des täglichen Gebrauchs ist keine private Vermögensverwaltung

Der BFH erteilte der Sichtweise des Finanzgerichts eine klare Absage. Der An- und Verkauf von Sammlerstücken könne nicht zum Vergleich mit dem Verkauf von Gegenständen des täglichen Gebrauchs herangezogen werden. Denn beim Sammeln, als weit verbreiteter Freizeitbeschäftigung, ist der Verkauf von Einzelstücken unumgänglich, um die angestrebte Vollständigkeit der Sammlung zu erreichen. Solche Umsätze sind trotz ständiger Wiederholung – aber mangels wirtschaftlicher Tätigkeit - keine umsatzsteuerbaren Umsatzakte.

Anders sieht dies hingegen beim Abverkauf fremder Gegenstände des täglichen Gebrauchs aus, die nicht selbst gesammelt wurden. Insbesondere die hohe Intensität der Tätigkeit in einem relativ kurzen Zeitraum von nur 13 Monaten (140 fremde Pelzmäntel, zwei eBay-Accounts, zwei Bankkonten etc.) spreche eher für eine wirtschaftliche Tätigkeit.

Tipp

Normalerweise gibt es in vergleichbaren Fällen zwei Auswege, um die volle Besteuerung zu vermeiden:

1. Wird die Umsatzgrenze von 17.500 Euro im Geschäftsjahr der Betriebseröffnung voraussichtlich nicht überschritten, ist die Kleinunternehmerregelung anzuwenden. Die Umsatzsteuer wird dann in diesem Jahr nicht erhoben.

2. Bei Wiederverkäufern kann in bestimmten Fällen die sogenannte Differenzbesteuerung angewendet werden. Dies bedeutet, dass nicht der Umsatz, sondern nur der Gewinn – also die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben (bzw. Verkaufs- abzüglich Einkaufspreis) – der Umsatzsteuer unterworfen wird. Hierfür ist allerdings erforderlich, dass entsprechende Einkaufsrechnungen vorliegen und dass die gehandelten Gegenstände beim Einkauf nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt haben.

Im vorliegenden Fall könnte die Ehefrau jedoch keine der genannten Auswege nutzen. Denn einerseits hatte sie die maßgebliche Umsatzschwelle von 17.500 Euro bei weitem überschritten. Andererseits konnte sie auch keine Eingangsrechnungen für die Pelze vorlegen, um die Differenzbesteuerung anzuwenden. Die Umsätze aus den Pelzverkäufen waren daher voll umsatzsteuerpflichtig.

(Stand: 19.10.2015)

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