Stichtag 15. Dezember 2015 nicht vergessen

Aktienverluste können nur mit Verlustbescheinigung verrechnet werden

 

Ertrag bringende Kapitalanlagen sind aktuell schwer zu finden und nicht jeder Versuch Kapital gut anzulegen, ist von Erfolg gekrönt. Gerade spekulative Anlagen besitzen das Risiko hoher Verluste. Gut ist es dann, wenn diese Verluste zumindest mit Erträgen steuerlich verrechnet werden können. Da Verluste aus Aktienverkäufen nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnet werden dürfen, es aber auch noch andere Formen von negativen Gewinnen aus Kapitalvermögen gibt, führen die Banken für jeden Kunden zwei interne Verlustverrechnungstöpfe. Verlustverrechnungstopf 1 beinhaltet alle negativen Einkünfte ohne Aktienverkäufe. Verlustverrechnungstopf 2 beinhaltet die Verluste aus Aktienverkäufen. Für jeden Verlustverrechnungstopf werden Kapitalerträge, die bei der gleichen Bank entstehen mit vorhandenen Verlusten entsprechend der gesetzlichen Vorgaben durch die Bank selbständig miteinander bereits innerhalb des Jahres verrechnet. Sollte es dabei zu einem Verlustüberhang kommen, so trägt die Bank die bestehenden Verluste in das Folgejahr vor. Dies erfolgt alles automatisch. Dafür muss der Anleger nichts dazu tun.

Verlustbescheinigung muss bis 15. Dezember 2015 (Ausschlussfrist) beantragt werden

Die Verluste lassen sich dadurch aber nicht mit Kapitalerträgen, die bei einer anderen Bank erzielt worden sind, verrechnen. Theoretisch ist eine solche Verlustverrechnung im Rahmen der Einkommensteuererklärung eines Jahres möglich. Dazu wird aber praktisch eine Verlustbescheinigung benötigt. Der unwiderrufliche Antrag auf Erteilung einer Bescheinigung für die nicht ausgeglichenen Verluste, des Jahres 2015 und der Vorjahre, ist bis zum 15. Dezember 2015 bei der Bank, welche die Verluste verwaltet, zu stellen. Dabei ist für jeden Verlustverrechnungstopf ein separater Antrag zu stellen. Achtung: Der Termin ist eine sogenannte Ausschlussfrist. Das bedeutet, sie kann nicht verlängert werden. Anträge, die nach dem 15. Dezember gestellt werden, gelten erst für eine Verlustbescheinigung des Jahres 2016.

Im Ergebnis fertigt das Geldinstitut die Verlustbescheinigung aus und setzt den intern geführten Verlustvortrag für das Folgejahr auf 0,00 Euro. Erträge des Folgejahres unterliegen dann, soweit keine neuen Verluste entstanden sind, der Kapitalertragsteuer.

Übersteigen die auf Antrag bescheinigten Verluste des Jahres 2015 die Kapitalerträge bei einer anderen Bank, so gehen auch diese verbleibenden Verluste nicht verloren, sondern werden im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung auf das Folgejahr vorgetragen, denn eine Verrechnung mit anderen Einkünften, wie Einkünfte aus Gewerbebetrieb oder Freiberuflicher Tätigkeit ist nicht möglich.

Ehegatten haben die Möglichkeit einer übergreifenden Verlustverrechnung über alle bei einer Bank geführten Konten und Depots. Dazu ist es notwendig, dass die Eheleute einen gemeinsamen Freistellungsantrag ihrer kontoführenden Bank erteilen.

Antrag auf Verlustbescheinigung ist nicht immer sinnvoll

Auch wenn z. B. Verluste aus Aktienverkäufen per 31. Dezember 2015 existieren, so ist es nicht sinnvoll den Antrag auf Verlustbescheinigung zu stellen, wenn keine Aktienverkäufe bei einer anderen Bank Gewinne erbracht haben. Oder ist abzusehen, dass Anfang 2016 mit Aktiengewinnen bei der bescheinigenden Bank zu rechnen ist, so ist ein Antrag auf Verlustbescheinigung ebenfalls nicht sinnvoll. Denn bei einem Verlustvortrag nach 2016 kann die Bank die Verluste sofort mit den Gewinnen verrechnen und es wird keine 25 % Kapitalertragsteuer zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer fällig.

Empfehlung

Prüfen Sie, ob es sinnvoll ist, für 2015 Verlustbescheinigungen zu beantragen oder ob ein automatischer Verlustvortrag in das neue Jahr genügt. Bei Fragen zum Thema sprechen Sie mit Ihrem Steuerberater.

(Stand: 10.11.2015)

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