Hotelzimmer und Seminarräume richtig abrechnen

Zimmervermietung im Stundenhotel ist umsatzsteuerfrei

 

Für Hoteliers und Gastronomen ist immer dann Vorsicht geboten, wenn Räume gegen Entgelt vermietet werden, bei denen nicht die kurzfristige Überlassung von Wohn- und Schlafräumen – also die Beherbergung von Fremden – sondern andere Zwecke im Vordergrund stehen. Dies musste jüngst ein Unternehmer feststellen, der im Bahnhofsmilieu Hotelzimmer lediglich stundenweise - vorsichtig formuliert - an Liebespaare vermietete (BFH mit Urteil vom 24. September 2015 - Az.: V R 30/14).

Der BFH kam zu dem Ergebnis, dass die halbstündige oder stundenweise Überlassung von Zimmern in einem sogenannten Stundenhotel keine Beherbergung im Sinne des Umsatzsteuergesetzes darstellt, da die Gäste hier nicht übernachten. Bei diesem Geschäftsmodell geht es vielmehr darum, die Wohn- und Schlafräume für sexuelle Dienstleistungen zu nutzen.

Umsatzsteuerfreiheit schließt Vorsteuerabzug aus

Zunächst denkt man, dass sich der Vermieter des Stundenhotels über diese Entscheidung freuen dürfte, da er keine umsatzsteuerpflichtigen Umsätze erbracht hatte und insofern die Umsatzsteuer vom Finanzamt zurückfordern konnte. Doch weit gefehlt! Denn die Umsatzsteuerfreiheit führt dazu, dass der Unternehmer alle bereits geltend gemachten Vorsteuerbeträge an das Finanzamt zurückzahlen muss, da die steuerfreien Umsätze den Vorsteuerabzug ausschließen.

Umsatzsteueroption als Rettung?

Um den Vorsteuerabzug dennoch geltend machen zu können, konnte der Vermieter vermutlich auch nicht zur Umsatzsteuer optieren, da er vorwiegend an die Kunden von Prostituierten vermietet hatte und eben nicht an die Prostituierten selbst. Denn die Option zur Umsatzsteuer mit der damit einhergehenden Vorsteuerabzugsmöglichkeit erfordert eine Vermietung an einen anderen Unternehmer, der selbst ausschließlich Umsätze ausführt, die den Vorsteuerabzug nicht ausschließen.

Bei der Vermietung an Prostituierte wäre der Vorsteuerabzug im Übrigen anteilig zu gewähren, da diese Unternehmer sind, die keine Leistungen erbringen, die den Vorsteuerabzug ausschließen. Da es sich bei dieser Art der Vermietung nicht um eine ermäßigt zu besteuernde Beherbergungsleistung, sondern um eine sogenannte Leistung eigener Art handelt, wie das Finanzgericht Düsseldorf bereits mit Urteil vom 1. Juni 2012 (Az. 1 K 2723/10) festgestellt hatte, unterliegen die Umsätze des Vermieters dann jedoch dem Regelsatz von 19 Prozent Umsatzsteuer.

Was ist mit der Überlassung von Seminarräumen?

Wie sagt man so schön: Jeder nach seiner Fasson. Aber welche Schlussfolgerungen kann man als Hotelier aus diesem Urteil ziehen?

Im Grunde besteht bei der reinen Überlassung von Seminar- oder Gasträumen latent das gleiche Risiko. Denn die bloße Überlassung solcher Räume ist ebenfalls umsatzsteuerfrei und schließt damit den Vorsteuerabzug aus. Dies hatte zumindest das Finanzgericht München mit Urteil vom 23. Oktober 2012 (Az. 2 K 3457/09) für die Vermietung eines Seminarraums einschließlich der üblichen Nebenleistungen, wie Bestuhlung und Elektronik festgestellt.

Der Weg aus der Steuerfreiheit

Im Grunde kann also nur dann etwas anderes gelten, wenn eine Leistung besonderer Art erbracht wird. Der Trick, um die Umsatzsteuerfreiheit und damit das Vorsteuerabzugsverbot zu vermeiden besteht also darin, nicht den reinen Seminarraum zu überlassen, sondern eine Tagungspauschale anzubieten, die nach der Teilnehmerzahl bemessen wird.

In einer solchen Tagungspauschale sind auch Kosten für das Catering und das erforderliche Servicepersonal enthalten, so dass dieses Gesamtpaket auch als Leistung eigener Art anzusehen ist. Denn Leistungen eigener Art unterliegen dem in diesem Fall begehrten Regelumsatzsteuersatz von 19 Prozent, so dass auch das Recht zum Vorsteuerabzug besteht.

Insbesondere bei Tagungshotels ist diese Abrechnungspraxis nicht mehr wegzudenken, da die Hotels aus ihren bisherigen Erfahrungen mit einer solchen Pro-Kopf-Pauschale meist am besten fahren. Tagungspauschalen sind einfach zu kalkulieren, so dass man als Hotelier damit meist auch betriebswirtschaftlich auf der sicheren Seite ist.

Option zur Umsatzsteuer als Rettungsanker?

Kann keine Leistung besonderer Art angeboten werden, weil tatsächlich nur die reine Raumüberlassung gewünscht wird oder weil keine Beherbergung vorliegt, hat dies zur Konsequenz, dass die anteiligen Vorsteuerbeträge nicht abzugsfähig sind.

Betroffen sind hier im Grund nicht nur die Vorsteuerbeträge aus der Anschaffung der Einrichtungsgegenstände, wie Elektrik, Tische und Stühle, oder auch der anteiligen Betriebskosten. Selbst die Vorsteuerbeträge, die auf die Anschaffung oder Herstellung des Gebäudes entfallen, sind streng genommen – bezogen auf die umsatzsteuerfreie Überlassung - anteilig zu kürzen.

Der Hotelier oder Gastronom kann zwar zur Umsatzbesteuerung optieren, um diese Vorsteuerbeträge dennoch geltend machen zu können. Diese Umsätze unterliegen dann ebenfalls dem Regelsatz von 19 Prozent Umsatzsteuer. Allerdings gibt es hier einen Haken: Die Option zur Umsatzbesteuerung und damit auch zum Vorsteuerabzug ist nur bei der Vermietung an andere Unternehmer zulässig, die selbst ausschließlich Umsätze ausführen, die den Vorsteuerabzug ermöglichen. Bei der Raumüberlassung an Versicherungen, Banken, Bildungsträger und andere Unternehmen ohne Vorsteuerabzug sind die eigenen Vorsteuerbeträge des Hoteliers daher im Grunde anteilig zu kürzen.

Fazit

Die stundenweise Vermietung von Hotelzimmern oder die reine Vermietung von Seminarräumen sollte in jedem Fall vermieden werden, um den Vorsteuerabzug nicht zu gefährden. Bei der reinen Raumüberlassung oder in den Fällen, in denen keine Beherbergung vorliegt, gibt es eigentlich nur eine Rettung: Die Option zur Umsatzsteuer. Hierfür ist jedoch erforderlich, dass der Gast selbst ein Unternehmer ist, der ausschließlich Umsätze ausführt, die den Vorsteuerabzug nicht ausschließen.

(Stand: 08.01.2016)

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