Einbauküchen richtig Bilanzieren

Küchen sind gedanklich in ihre Bestandteile zu zerlegen

 

Wer kennt das leidige Thema nicht: Investitionen in Einrichtungsgegenstände oder andere Wirtschaftsgüter können nur im Ausnahmefall sofort als Betriebsausgaben abgezogen werden. Von den Ausnahmen bei geringwertigen Wirtschaftsgütern abgesehen, kann der Aufwand nur über die sogenannte Absetzung für Abnutzung – also umgangssprachlich über Abschreibungen geltend gemacht werden. Dabei stellt sich jedoch oft die Frage, welche Investitionen eigentlich zu einem bestimmten Wirtschaftsgut mit dazu gehören und welche Investitionen ihrerseits als selbständige Wirtschaftsgüter anzusehen sind. Insbesondere bei Wirtschaftsgütern, die aufeinander abgestimmt sind oder die wirtschaftlich in einem einheitlichen Funktionszusammenhang stehen, kann diese Bilanzierungsfrage manchmal schwierig zu beantworten sein. Insbesondere bleibt oft ein ungutes Gefühl, ob man alles richtig gemacht hat.

Herd und Spüle gehören zum Gebäude!

So hatte ein privater Vermieter bei der Modernisierung seiner drei Mietwohnungen die Auffassung vertreten, dass die neuen Einbauküchen insgesamt als sofort abzugsfähiger Erhaltungsaufwand zu berücksichtigen seien, da diese individuell an die Wohnungen an- und eingepasst wurden.

Das Finanzamt hingegen vertrat die Auffassung, dass nur Herd und Spüle zur jeweiligen Wohnung bzw. zum Gebäude zählen und berücksichtigte daher nur die darauf entfallenden Modernisierungskosten als sofort abzugsfähigen Erhaltungsaufwand.

Denn Gegenstände der Inneneinrichtung seien, auch bei entsprechender Verbindung mit dem Gebäude oder bei Einpassung in dieses, grundsätzlich nicht dem Bereich der Gebäudenutzung zuzuordnen. Dies gilt auch für Einbauküchen, da diese der Haushaltsführung dienen. Der Nutzungs- und Funktionszusammenhang bestehe damit nur für die Spüle und den Herd, nicht dagegen für die Möbel oder für die übrigen Elektrogeräte einer Einbauküche. Die Aufwendungen für diese können jedoch bei Anschaffungskosten von bis zu jeweils 410 EUR als geringwertige Wirtschaftsgüter sofort abziehbar sein.

Das Finanzamt berücksichtigte daher Elektro-, Geschirrspülgeräte sowie Dunstabzugshauben im Wert von jeweils bis zu 410 EUR als sofort abzugsfähige geringwertige Wirtschaftsgüter. Ein Kühlschrank, der über dieser Grenze lag, wurde nur im Rahmen der Absetzung für Abnutzung über eine gewöhnliche Nutzungsdauer von fünf Jahren zeitanteilig abgeschrieben. Die übrigen Bestandteile der Einbauküchen – also die Einbauschränke mit den jeweiligen Arbeitsplatten – wurden über 10 Jahre abgeschrieben.

Finanzgericht entscheidet: Aufteilung auf einzelne Bestandteile ist geboten!

Das Finanzgericht Münster stimmte der Auffassung des Finanzamtes zu und entschied damit zu Lasten des privaten Vermieters. Die Richter stellten fest:

  1. Eine Einbauküche ist nicht als Einheit zu betrachten und daher in seine einzelnen Bestandteile aufzuteilen.
  2. Beim erstmaligen Einbau sind Herd und Spüle als unselbständige Bestandteile des Gebäudes zu qualifizieren und damit über die Absetzung für Abnutzung für das Gebäude abzuschreiben. Aufwendungen für den Ersatz schon vorhandener unselbständiger Gebäudebestandteile sind sofort als Erhaltungsaufwand abzugsfähig.
  3. Aufwendungen für die weiteren Bestandteile einer Einbauküche sind zeitanteilig über die gewöhnliche Nutzungsdauer der jeweiligen Wirtschaftsgüter zu berücksichtigen oder als geringwertige Wirtschaftsgüter sofort abziehbar.

Die Revision war zuzulassen, da das Finanzgericht möglicherweise von der Auffassung des Bundesfinanzhofes abweicht. Insoweit bleibt abzuwarten, ob der Bundesfinanzhof dieser Sichtweise widerspricht.

Hinweis für Hoteliers und Gastronomen:

Die Entscheidung bezog sich vorliegend zwar nur auf die Berücksichtigung von Einbauküchen im Privatvermögen. Für Hotels und Gaststätten, die Einbauküchen gewöhnlich in dem Betriebsvermögen ihres Gewerbebetriebes aktivieren müssen, ist diese Entscheidung jedoch ebenfalls interessant. Dabei ist zu beachten, dass Gewerbetreibende, anstatt der Sofortabschreibung von Wirtschaftsgütern von bis zu 410 EUR auch jedes jahr wählen können, ob die Einstellung in einem sogenannten Sammelposten günstiger ist. In diesen Sammelposten sind dann Wirtschaftsgüter mit Anschaffungskosten zwischen 150 und 1.000 EUR einzustellen. Wirtschaftsgüter mit Anschaffungskosten bis zu 150 EUR können hingegen sofort als Betriebsausgaben geltend gemacht werden. Hat sich der Hotelier oder Gastronom im Jahr der Anschaffung einer Einbauküche für den Sammelposten entschieden, so sind die Bestandteile einer Einbauküche mit Anschaffungskosten zwischen 150 und 1.000 EUR in diesem Jahr in den sogenannten Sammelposten einzustellen und über fünf Jahre linear abzuschreiben. Spätere Verkäufe dieser Wirtschaftsgüter ändern die Abschreibung im Sammelposten grundsätzlich nicht. Wirtschaftsgüter mit Anschaffungskosten über 1.000 EUR sind hingegen über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abzuschreiben. Für Investitionen in den Folgejahren ist dann wie im jeweiligen Jahr wieder entscheidend, wie dieses Wahlrecht in dem jeweiligen Jahr ausgeübt wurde. Wird beispielsweise im Folgejahr ein weiterer Kühlschrank mit Anschaffungskosten von bis zu 410 EUR erworben, kann dieser voll abgeschrieben werden, wenn für den gesamten Betrieb in diesem Jahr kein Sammelposten gebildet wird.

(Stand: 18.06.2015)

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